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Gedanken zum Europäischen Jahr des Ehrenamtes

Autor: Anton Hensel
Kategorie: Hauptverein ,  Beirat
04.08.2011

Ich arbeite „ehrenamtlich“ im „Spaßverein für alle Bürger e.V.“. Ich bin für zwei Gaudigruppen verantwortlich, erledige die Kasse der Spaßmacher und wenn es nötig ist, mache ich auch noch ein wenig Öffentlichkeitsarbeit – natürlich alles kostenlos! Ist ja ehrenamtlich. Da habe ich richtig viel zu tun - doch die Arbeit ist leider sehr ernsthaft. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich daran, dass ich, als noch flotter Rentner, mit meiner kostenlosen Arbeit jeweils einen halben Jugendbetreuer, einen Viertel-Beschäftigten beim Steuerberater und einen Viertel-Volontär für Journalismus ersetze. Wahrscheinlich ersetze ich tatsächlich einen oder zwei halbe junge Menschen, die sich total hart ausbilden lassen müssen, um diese, von mir ausgeübten Aufgaben später erledigen zu dürfen.

Auch unsere Verwaltung, wir haben ein großes Bürger-Haus für alle Spaßmacher am Ort, und sogar der Schriftverkehr werden von einem Rentnerkollegen ehrenamtlich durchgezogen. Da steckt echte Knochenarbeit dahinter. Trotzdem ist er immer sehr witzig aufgelegt. Ich bin 2 Jahre jünger als der – da muss ich mich anstrengen, drum lese ich unsere witzige Tageszeitung immer in der Frühe, damit ich dann die neuesten Jokes bringen kann. Allerdings könnte der „kulturelle Spaßverein e.V.“ ihn und mich nicht bezahlen, weil kein Geld da ist. Macht nichts, ist ja nur zum Spaß, und das macht es ja auch. Man wird trotz des Alters gebraucht, sonst braucht uns ja niemand mehr. Andere drehen schon lange, seit Beginn ihrer Frührente, griesgrämig Däumchen. Ja, ein bisschen Eitelkeit sei bei aller Gaudi schon auch erlaubt.

Und doch... ich frage mich langsam, ob es richtig ist, den Staat, das Land und die anderen Träger öffentlicher Belange samt ihren riesigen Verwaltungsapparaten von ihren grundsätzlichen Aufgaben für die Bürger durch unsere geleistete und die der anderen 23 Millionen ehrenamtlich Tätigen in Deutschland geleistete, kostenlose Arbeit so sehr zu entlasten. Ständig sollen Steuern gesenkt werden, mit denen man vielleicht gerade diese Aufgaben hätte finanzieren können, besser gesagt: hätte möglicherweise an allerletzter Stelle und vielleicht und unter Umständen finanzieren wollen. Und in vielen Fällen ist das Ehrenamt nicht spaßig, wenn ich nur an Pflege- und Betreuungsaufgaben für die Mitmenschen denke – mir geht es ja gut.

Aber nein... oder ja... wir haben doch Geld, viel Geld... nämlich Abermilliarden Euro – die es in Wirklichkeit gar nicht gibt – und genau die stecken wir in Rettungsschirme und Garantien für die geldgierigen Spaßvögel des weltweiten Spekulantentums. Na ja, die Spekulanten brauchen auch Unterhaltung. Höchstwahrscheinlich müssen wir alle bis zum Schluss noch viel mehr und viel länger umsonst arbeiten – damit am Ende nicht alles umsonst war - keine Sorge, das ist vorerst fast nur spaßig gemeint. Trotzdem finde ich, irgendwas läuft ziemlich falsch und zwar nicht im „Staate Dänemark“ sondern in unserem Land. Ist doch lustig, ich könnte mich kugeln vor Lachen! Deswegen bin ich ja auch beim Spaßverein – ehrenamtlich, versteht sich! Ha, ha, ha!!!

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