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Erinnerungen an Fritz Meier

Autor: Anton Hensel
Kategorie: Hauptverein ,  Historie
09.01.2015

Fritz Meier, der sich sehr rüstig beim Besuch der TSV-Vorstandschaft anlässlich seiner 80-jährigen Vereinsmitgliedschaft im Jahr 2009 präsentierte und sich ganz genau erinnern konnte.

Im Hintergrund das Vereinsheim von 1930.

Ein Bier war für 20 Reichspfennige zu erhalten.

Der WM-Spielball Italien 1934.

Fussballschuhe im Jahr 1930.

Am 1. August 2014 wäre Fritz Meier 100 Jahre alt geworden. Meier starb am 26.Februar 2012 und war fast 84 Jahre lang, wenn auch mit kriegsbedingter Unterbrechung, Mitglied beim TSV Lauf e.V.  Aus diesem Anlass haben wir die Erinnerungen von Fritz Meier anlässlich seines 90sten Geburtstages im Archiv nachgelesen.

Als 14jähriger trat Meier im Jahr 1928 bei den Fußballern des TSV ein. Die ersten Spiele hatte er noch auf der berüchtigten ‚Sandwüste‘ an der Wetzendorfer Straße zu bestreiten – dort steht heute das Autohaus Feser Rechter. Der Waldsportplatz war übernutzt und nur durch ständiges Nacharbeiten bzw. Ausgleichen mit Sand in Betrieb zu halten. Im Jahr 1928 erwarb der Sportverein ein 4,28 Tagwerke großes Grundstück zum Bau eines Sportplatzes an der heutigen Röthenbacher Straße. In eigener Regie wurden das Spielfeld und ein massives Gebäude mit einer Grundfläche von rund 50 Quadratmetern hingestellt. Im Erdgeschoss war ein größeres Gastzimmer eingerichtet, das als Vereinsheim diente. Im 1. Stock befanden sich Umkleidekabinen. Das gesamte Areal war eingezäunt. Am 1. Juni 1930 konnte die Anlage mit einem Handballspiel, TSV Lauf gegen TSV Bayreuth, und einem Fußballspiel gegen den TSV Katzwang offiziell eröffnet werden. Eine Woche später fand ein großes Bezirks-Turn- und Sportfest statt.

Fritz Meier erinnerte sich gut an die vielen Arbeitsdienste, bei denen es für die Mitglieder Ehrensache war, mitzumachen. Es gab keine Duschanlage mit warmem Wasser. Bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit diente ein Brunnen im Freien zwischen Sportplatz und Vereinsheim als „Dusch- und Waschplatz“. Eine Person musste die Handschwengelpumpe bedienen, das heißt, kräftig pumpen, damit sich die Sportler waschen konnten. Neue Fußballschuhe waren für fast alle Spieler kaum erschwinglich. Ihr Wunschdenken war aus finanziellen Gründen schlicht nicht zu befriedigen. Wenn überhaupt, dann wurden die Sportschuhe auf Raten gekauft. Erst fünf Jahre zuvor, am  24. Dezember 1925, erhielt Ludwig Wacker aus Zweibrücken das Patent 443311 für „Stollen für Fußball- und ähnliche Sportschuhe“. Ein Paar Fußballstiefel und diese gar mit Stollen blieben eine absolute Rarität. Fritz Meier arbeitete für einen Lehrlingslohn von wöchentlich 1 Reichsmark. Wurden weite Entfernungen zu Auswärtsspielen zurückgelegt, so geschah dies mittels eines Lastwagens, auf dessen Ladefläche einige Bänke zum Hinhocken gestellt waren. Die Spieler hatten für ihren eigenen Transport bis zu 50 Reichspfennige zu bezahlen und das war sehr viel. Eine Halbe Bier kostete zu dieser Zeit etwa 20 - 30 Reichspfennige. Die auf Euro umgerechnete Kaufkraft einer 1 Reichsmark wird heutzutage mit circa 4 bis 5 Euro angegeben.

Meier spielte bereits mit 17 Jahren in der ersten Mannschaft. In der Verbandsspielrunde 1931/32 lag der TSV Lauf zusammen mit dem ASV Laufamholz bis zum letzten Spieltag punktgleich an der Spitze. Das letzte Punktspiel in Laufamholz hatte über den Meistertitel der Klasse zu entscheiden. Der Sieger der Begegnung qualifizierte sich für das Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die oberste Bezirksklasse des Verbandes, in dem die Arbeitersportvereine organisiert waren. Der TSV siegte im Spiel um die Meisterschaft mit 2:1. Meier schoss vor über 1.000 Zuschauern das zweite und alles entscheidende Tor. Das Aufstiegsspiel gegen Tuspo Nürnberg gewannen die Laufer dann gar mit 4:2. Meier erzielte zwei Treffer. Für diese Leistung erhielt er vom Gastwirt Viztum zwei Maß Bier als Siegesprämie. Auch nach 72 Jahren konnte sich Meier an diese Geste ganz genau erinnern. Die konkrete Mannschaftsaufstellung lautete: Tor – Albert Zitzmann; Verteidiger – Karl Hartig, Fritz Kuhlmann; Mittelfeld – Konrad Festner, Bernhard Trautner; Sturm – Jean Holzmann, Hans Eichenmüller, Anton Wolf, Georg Rauh und Fritz Meier. Das Spielsystem war das damals übliche und standardmäßige 2-3-5. Leider liegt uns kein Foto aus dieser Zeit vor. Im städtischen Stadion von Nürnberg gewann im Jahr 1932 der FC Bayern München das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0.

Ab 1934 arbeitete Meier bei der Firma Höscha in Hermsdorf nahe Gera in Thüringen. 1935 musste er zum Arbeitsdienst und 1937 rückte er beim Militär ein. Von 1939 bis 1945 war er als Soldat in Frankreich und Russland eingesetzt. Am 1. Mai 1945 kehrten er und seine Frau nach einem fünftägigen Fußmarsch von Ulm nach Lauf zurück. Sie hatten nur einen Handwagen mit ihren wenigen Habseligkeiten dabei. Ab 1946 spielte er in der 1. Mannschaft des Allgemeinen Sportvereins (ASV, einem Zusammenschluss der Laufer Vereine in der Nachkriegszeit). Nach der Auflösung des ASV und der Wiedergründung des TSV Lauf war Meier bis 1956 in der Altherrenmannschaft aktiv und blieb danach passiv beim Verein. 

Fritz Meier hat alle Ehrungen erhalten, die beim TSV Lauf möglich sind. Als Ehrenmitglied verstarb er 97jährig im AWO Alten- und Pflegeheim am Hämmernplatz in Lauf.

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