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Er kam, sah und staute

Autor: Anton Hensel
Kategorie: Hauptverein
15.12.2012

„Wenn der TSV über den Winter keine Baumaßnahmen durchführt, dann baue halt ich hier“ dachte sich wohl ein Bibermännchen. Da haben wir alle ganz schön dumm aus der Wäsche geschaut, als die Wasserfläche des Himmelsbaches immer ausufernder und höher wurde. Direkt oberhalb der Minigolfanlage hat sich ein vermutetes Biberpärchen niedergelassen. Etwa 12.000 bis 14.000 Biber gibt es inzwischen in ganz Bayern. Sie sind streng geschützt. Bei der großen vorhandenen Anzahl der Tiere ist es logisch, dass ihre Reviere ständig näher an die Wohngebiete der Menschen heranrücken und direkt menschenscheu scheinen die Tiere nicht zu sein.

Als man die bei uns gänzlich ausgerotteten Biber vor etwa 40 Jahren wieder ausgesetzte, konnte man sich eine derart erfolgreiche Entwicklung des Bestandes nicht vorstellen. Aber die Biber sind anpassungsfähig. Mit großem Interesse verfolgen wir die aufwändigen Bauleistungen des TSV-Bibers. Von der hinteren Brücke aus ist der Staudamm ganz genau einzusehen. Das Baumaterial holt er sich aus der Umgebung und fällt dazu auch etliche Bäume – macht nichts, die gehören ja der Stadt. In der Regel  benötigt er Stauhöhen von 60 bis 100 cm. Das offensichtliche und sofort ins Auge stechende Stauwerk dient einzig und allein dem Zweck in die Biberburg unter Wasser eintauchen zu können. Es muss so viel Rückstau vorhanden sein, dass Teile der Burg deutlich, mindestens bis 60 cm Höhe, bewässert sind.

Die Biberburg ist der Unterschlupf und Aufenthalts- und Zufluchtsort der Tiere, halt ihre Wohnung. Die von Bildern her bekannte Hochburg, ein großer, bis zu 3 Meter hoher Ast- und Holzhaufen in mitten eines aufgestauten Sees, bietet unser Hausbiber nicht an. Er und/oder Sie haben es sich einfacher gemacht. Die Biberburg wurde seitlich in das zum Bach abhängende Gelände eingegraben. Ein Fluchtausgang nach oben ist fast schon vorschriftsmäßig angelegt, direkt am vorhandenen Zaun, so dass niemand in das offene Loch hineintreten kann. Der Eingang zur Erdburg steht 60 – 80 cm unter Wasser. Wir vermuten weitere angelegte Erdgänge im Gelände als Fluchtwege und Vorratsräume. Alle vom Biber errichteten Bauwerke stehen unter strengem gesetzlichen Schutz und dürfen nicht zerstört werden solange sie bewohnt sind.

Der Biber ist das zweitgrößte Nagetier der Erde, nur das Wasserschwein ist größer. Der Europäische Biber kann bis zu 1,3 Meter lang werden, schwere Exemplare bringen über 30 Kilogramm auf die Waage, normal sind für einen erwachsenen Biber jedoch knapp 20 Kilogramm. Biber können 12 bis 14 Jahre alt werden. An das Leben am und im Wasser sind sie hervorragend angepasst. Aktiv sind sie vor allem in der Dämmerung oder nachts, den Tag verbringen sie in ihren Bauen oder Burgen. Biber halten keinen Winterschlaf, sind aber bei sehr kalten Temperaturen weniger unterwegs. Als reine Vegetarier ernähren sich Biber im Sommer von Gräsern, Kräutern, Wasserpflanzen, Blättern und Gehölztrieben, im Winter fressen sie die Rinde von Bäumen und Sträuchern – über 300 Pflanzenarten stehen auf ihrer Speisekarte, darunter auch Feldfrüchte. Daher stehen sie auch manchmal  im Konflikt mit Waldbauern und Landwirten, denn die Schäden können größere Ausmaße annehmen. Einmal im Jahr bringen Biber ein bis drei Junge zur Welt, die zwei Jahre lang bei der Familie bleiben.

Erfreuen wir uns an diesem  außergewöhnlichen Naturschauspiel. Wir müssen lediglich aufpassen, dass die Minigolfspieler nicht in die Biberburg hineinbrechen. Der Himmelbach selber wird die dauerhafte Ansiedlung der Biber am TSV-Gelände verhindern. Spätestens in den Trockenperioden im Frühjahr und im Sommer, wenn der Bach zum Rinnsal wird, werden auch die allerbesten Staumaßnahmen der Tiere nichts mehr nützen – die Biberburg wird trockengelegt sein und die Biber werden abwandern und ein geeigneteres, sprich: nasseres, Revier suchen. Jedoch, Hausmeister Alois Peschke teilte uns mit: „Im vorigen Jahr hat der Biber den Bach trockengelegt und kam gut über den Sommer.“

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